Geh doch dahin, wo der Pfeffer wächst...
Lesen Sie einen Reisebericht von Ursel Wosing-Narr über die Studienreise vom 7. bis 28. Januar nach Indien - unter dem Motto „Der eine Geist und die Vielfalt der Religionen“.
Geh doch dahin, wo der Pfeffer wächst...hätten wir schon früher gewusst, wie schön es dort ist, wo Pfeffer, Vanille und Kardamom wachsen, hätte man uns das nicht zweimal sagen müssen. So aber sind wir erst über den Umweg über die Bonner Franziskanermission in das Land gekommen, dass uns drei Wochen fasziniert hat. Wir, das waren 14 Frauen und 7 Männer aus Deutschland, die sich der kundigen Führung zweier Inder anvertraut haben und jeden Tag voller Informationen und überwältigender Eindrücke genießen konnten. Eingeladen hatten die Missionszentrale in Kooperation mit dem Zentrum für christliche Meditation und Spiritualität sowie die Volkshochschule Leer unter dem Motto “Der eine Geist und die Vielfalt der Religionen“. Das Kennenlernen anderer Religionen und Kulturen ist in der heutigen Zeit der Globalisierung unabdingbar, wenn nicht Missverständnisse den Weg in gemeinsames Handeln behindern sollen. Ost ist nicht West und West ist nicht Ost und staunend stehen wir vor der Andersartigkeit fremder Länder, vieles ist ungewohnt oder gewöhnungsbedürftig, aber mit einem offenen Ohr und einem offenen Herzen breitet sich eine Vielfalt vor uns aus, die uns dankbar sein lässt für eine große Schöpfung und uns auch die Augen öffnet für unseren Wohlstand, auch für die Schönheit und Kultur unseres eigenen Landes.
Wir haben diese Reise mit den verschiedensten Erwartungen angetreten so wie wir aus den unterschiedlichsten Zusammenhängen gekommen sind. Die Reise begann in Bengalore, wo wir unter anderem einen Kunst-Ashram, einen Sikh-Tempel, den Hare-Krishna-Tempel und natürlich die christliche Gemeinde besuchten. Weiter ging es über Svavarna Belahola zum Jain Tempel und zum Hindu Tempel in Halebid.
Beeindruckend war der buddhistische Tempel mit seinen goldglänzenden Dächern ebenso wie der mit 90.000 Glühbirnen erleuchtete Maharadschapalast in Mysore. Tee- und Kaffeplantagen, Kautschukproduktion, Gewinnung von Eukalyptusöl und Seidenraupenzucht wurden besichtigt, in Tänzen und Gesängen und im Kathakali-Theater in Cochin lernten wir die traditionsreiche indische Kultur kennen, aber immer wieder besuchten wir auch die sozialen Projekte der Franziskaner , die sich vielerorts um benachteiligte Bevölkerungsgruppen kümmern, sei es im Boys Home, wo Jungen betreut werden, in der AIDS-Hilfe für junge Witwen, im Dorfprojekt für die Kaste der Unberührbaren oder in den vielen Projekten für Mädchen, denen eine eigenständige Zukunft ermöglicht werden soll. Lange schon geht es nicht mehr darum, die Menschen zu Christen zu missionieren und ihnen westliches Denken zu vermitteln, sondern es geht um Inkulturation, das heißt, das christliche Denken so zu lehren, dass die dort gewachsenen kulturellen Strukturen zu bedenken und einzubeziehen sind.
Wir sahen ein wunderschönes Land, lernten viel über die alte Kultur, die mit den Religionen eng verbunden ist, wir trafen freundliche zugewandte Menschen, aber wir sahen auch die großen Probleme und die Armut. Unser Dank geht noch einmal an Pater Francis und Pater Bal Raj, die uns auf dieser Reise begleitet haben und die uns mit indischer Gelassenheit alle Stolpersteine aus dem Weg geräumt haben. Unser Dank geht aber auch an unsere Busfahrer, die uns teilweise in atemberaubendem Tempo – aber dennoch sicher – an unsere Ziele gebracht haben.
Text: Ursel Wosing-Narr



