Boom Box
Konzert #154
Donnerstag, 8. März 2012, 20 Uhr
Thomas Borgmann – Tenor- und Sopransaxophon, Mundharmonika
Akira Ando – Kontrabass
Willi Kellers – Schlagzeug
»Ich gebe zu, Boom Box, das klingt nach viel Technik, nach Computer, nach Krach. Das ist sicher ein bisschen irreführend, aber wir lassen den Namen der Gruppe jetzt so. Macht ja auch neugierig«, sagt Thomas Borgmann zum griffigen Namen seines langjährigen Trioprojekts. Die Band des 1955 in Münster geborenen Wahlberliners hat seit ihren Anfängen einige personelle Wechsel hinter sich. Mit Willi Kellers am Schlagzeug und dem japanischen Bassisten Akira Ando hat er nun offenbar eine neue Traumbesetzung gefunden. Darauf schließen lässt zumindest das 2011 erschienene Album »Jazz«, das in deutschen und internationalen Reviews zu Recht als großer Wurf gehandelt wird.
Borgmann kommt nicht zum ersten Mal nach Leer: Mit Boom Box war er bereits 2007 einmal da, allerdings in anderer Besetzung. Unvergessen ist sein Konzert mit Wilber Morris und Denis Charles; beide sind inzwischen verstorben. Eine ebenfalls lang nachwirkende musikalische Visitenkarte gab er im Trio mit Peter Brötzmann und Borah Bergmann gab.
Wenn die Musik von Boom Box beschrieben wird, fallen Namen wie Albert Ayler, John Coltrane, Henry Threadgill oder Charles Gayle. Solche Referenzen sind Annäherungen, mehr nicht. Ähnlich die Rede vom »Free Jazz«: Borgmann hat gegen diesen Begriff nichts einzuwenden, vorausgesetzt er wird positiv und nicht diskreditierend benutzt. Free Jazz sei heute »eben nicht mehr das so oft und so falsch beschriebene Kaputtspielen ... Es gibt Melodien, es gibt Rhythmus. Da fühle ich mich zu Hause«, so Borgmann.
Die CD »Jazz«, erschienen beim Berliner Label Jazzwerkstatt, ist in dieser Hinsicht ein Statement, das mit melodischen Einfällen geradezu um sich wirft. Einzelne Stücke (z.B. das sofort ansteckende »Little Birds May Fly«) verraten es schon im Titel: die Musik fliegt. Sie sei »manchmal von betörendem Liebreiz und feinsinniger Subtilität«, schreibt Rolf Thomas in der Zeitschrift »Jazzthetik«. Auf den Punkt bringt es Ulrich Olshausen (»FAZ«): »Free Jazz ist diese CD allemal. Allerdings wird sich niemand darunter das vorstellen, was ihn hier erwartet.«
Ein Wiedersehen wird es in Leer auch mit einem der größten Fans von Boom Box geben: Borgmanns Kurzhaardackel Theo.