KAZE

Konzert #219
Freitag, 25. Mai 2018, 20.00 Uhr

Christian Pruvost – Trompete
Natsuki Tamura – Trompete
Satoko Fujii – Klavier
Peter Orins – Schlagzeug

Schon die Instrumentierung des Quartetts - Klavier, Schlagzeug, zwei Trompeten, kein Bass - lässt aufhorchen. Sie ist derart ungewöhnlich, dass man die Band schon allein deswegen lieben müsste. Um solche vorschnellen Zuneigungen ging es der japanischen Pianistin und Komponistin Satoko Fujii allerdings wohl nicht, als sie die mit doppeltem Blech besetzte Band KAZE formierte. In der Welt der improvisierten Musik gehört sie seit den 1990er-Jahren zu den ganz großen Stimmen. Das japanisch-französische Quartett KAZE ist deshalb zunächst einmal eine weitere musikalische Bewegung in Fujiis ewiger Suche nach bisher nicht ausprobierten Ausdrucksmöglichkeiten.

Die in Tokio geborene Musikerin hat in ihrer künstlerischen Karriere vieles von dem in die eigene Klangkunst eingewoben, was in Japan oder woanders in der Welt ihr Interesse weckte. In Fujiis umfangreicher Diskografie finden sich Einflüsse von Klassik, japanischer Folklore und Neuer Musik, von Bigbands, Free Jazz, Punk und Rock. Je nach Projekt und Formation, ob solistisch, im Duo, Trio, Quartett oder Großensemble, kommen diese Einflüsse mal mehr, mal weniger zum Tragen. Am Ende ist es aber stets Satoko Fujiis eigene Handschrift, die zu hören ist und die sie im Gegenwartsjazz so einzigartig macht.

Die Musikerin, die aufgrund ihrer Orchesterarbeiten auch schon als »The Ellington of Free Jazz« bezeichnet worden ist, kommt mit KAZE zum zweiten Mal nach Leer. Geblieben ist die kongeniale Besetzung der Band: Da ist zunächst Natsuki Tamura, Fujiis Ehemann und in fast all ihren Projekten ihr musikalischer Partner. Im Quartett KAZE bildet Tamura mit dem Franzosen Christian Pruvost das Herz der Musik, ein Trompetenduo, das das zwischen Abstraktion, impressionistischen Passagen und energetischem Drängen wechselnde Klangbild der Band maßgeblich prägt.

Ebenfalls aus Frankreich kommt der Schlagzeuger Peter Orins. Zusammen mit Satoko Fujii führt er die abenteuerlichen Höhenflüge der Trompetenartisten Tamura und Pruvost zurück in Bodennähe. Oder Klavier und Schlagzeug fliegen einfach mit, KAZE ist schließlich das japanische Wort für Wind. Das Ergebnis ist in jedem Fall große Musik, nicht vergleichbar mit irgendeiner anderen Jazzband unserer Tage, fesselnd vom ersten Räuspern, Fauchen und Röcheln der Trompeten bis zum letzten Klavierton oder Schlagzeugbeat.